Februarwoche 1 / Gangsta‘week
Als Bushido bei der Premiere seines Films am Mittwoch sagte: «Ich war so aufgeregt, ich konnte den ganzen Tag nur ein halbes Snickers essen», dachte man eigentlich: Das wird eine friedliche Woche. Aber dann brach eine Welle der Gewalt über die Stadt herein, wobei der fiese «Mumien-Räuber» noch zu den vernünftigeren Erscheinungen im Berliner Kriminaltheater zählte. Die gesamte triebgesteuerte Militanz war in Aktion, von Rentnern mit Todes-Pfannen über Pastoren mit Onanierkerzen bis zu Linken mit Campinggas. Letztere hatten mit einer so genannten «Campinggaskartuschenbombe» – die Brandbombe des militanten Spiessers – einen Anschlag auf die Rückseite des «Hauses der Wirtschaft» verübt, worauf der CDU-Abgeordnete Robin Juhnke sagte, dass die Anschläge der linken Szene ganz «neue Dimensionen» hätten. Aber es gab auch Erfolge in der Kriminalitätsbekämpfung diese Woche. Ein 21-jähriger Waffenhändler wurde gefasst, bei dem neben 43 Kurzwaffen und 18 Langwaffen auch ein «verbotenes Laser-Modul» entdeckt worden war. Wurde neben diesem «Laser-Modul» vielleicht auch noch ein übergrosser schwarzer Stahlhelm gefunden? Sowie ein Star-Wars-Poster von Darth Vader? Und natürlich hat auch Berlin der Kauf der CD mit den Schweizer Bankdaten bewegt. «Jeder, der ein schlechtes Gewissen hat, sollte es jetzt sehr, sehr schnell erleichtern», sagte Finanzsenator Ulrich Nußbaum der B.Z.. Vier Berliner haben sich in der Zwischenzeit selbst angezeigt, worauf man sich natürlich fragt: 4?! Wow. Die Berliner scheinen weniger Angst zu haben auf dieser Daten-CD zu erscheinen als Tocotronic auf der BRAVO-Hits. Aber apropos BRAVO-Hits: Wo ist eigentlich die zweite Hälfte deines Snickers hin, Bushido? Als ich noch ein harter Junge war, hatte ich auch «eh grad keinen Hunger mehr», als man mir mein Pausenbrot klaute. Hoffen wir, dass die nächste Woche friedlicher wird.
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Januarwoche 4 / Freakshow
Nach der Modeschau von Patrick Mohr (schickte solariumgebräunte Bodybuilder mit Hasenzähnen auf den Laufsteg, die man in freier Wildbahn sonst nur im Wedding sieht) dachte man eigentlich: Jetzt hat die Freakshow ihren Höhepunkt erreicht. Aber dann wird es Montag, Heidi Klum kommt nach Berlin und du merkst: Oh nein, jetzt geht‘s erst richtig los. «Ich bin superzufrieden mit der Figur, sie ist toll getroffen», sagte Heidi Klum, als ihre eigene Wachspuppe bei Madame Tussauds enthüllt wurde. «Toll getroffen?» denkt man sich. «Kann man bei Madam Tussauds auch nicht toll getroffen werden?» Wir reden hier nicht von einer alternativen Mitte-Galerie, die sich die Freiheit nimmt, einen Luftballon an einer Schnur als Heidi-Klum-Skulptur zu verkaufen. Wir reden von Madam Tussauds, wo Prominente so dargestellt werden wie Bushido im neuen Film über Bushido, in dem Bushido Bushido spielt. Heidi Klum sieht also Heidi Klum und meint: «Toll getroffen!» (Auf das Urteil von Bushido über die Bushido-Darstellung in seinem Bushido-Film dürfen wir gespannt sein.) Den eigentlichen Höhepunkt erreichte die Freakshow, als am Dienstag der Suhrkamp-Verlag an seinem neuen Berliner Hauptsitz eine Einweihungsparty veranstaltet hat, wobei Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz im Arm von Klaus Wowereit aussah wie der Libysche Revolutionsführer Gaddafi auf einem frivolen Staatsbesuch in Berlin. Sie werden jetzt sagen: «Unverschämt, jemanden nur wegen seiner Kleider mit einem Tyrannen zu vergleichen!» Dachte ich auch. Aber dann sind am Donnerstag plötzlich die beiden Waldorfschüler Yunus und Rigo in allen Zeitungen erschienen. Waren angeklagt, weil sie am 1. Mai einen Molotow-Cocktail geworfen haben sollen. Die Anklagen wurden dann aber fallen gelassen, weil zur Tatzeit mehrere «ähnlich gekleidete Jugendliche» in der Nähe waren. Hätten also ebenso jeden anderen mit Jeans und Kaputzenpulli 7 1/2 Monate in U-Haft stecken können. Ist aber auch eine Frechheit, nicht wie ein Freak aufzutreten in dieser Stadt.
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Januarwoche 3 / Wilde Woche
Wilde Woche in Berlin! In Grunewald greift ein Wildschwein drei Fussgänger an und verletzt sie an Händen und Hüften, worauf diese die Polizei verständigen. Die Berliner Polizei legt ein neues Konzept gegen Rockerkriminalität vor, nachdem sie bei einer Rocker-Geburtstagsfeier «feststehende Messer» gefunden hat. Ich will ja nicht spitzfindig sein, aber: braucht man «feststehende Messer» an Geburtstagen nicht einfach für den Kuchen? Doch ist die Stadt gerade mit einer ganz anderen Frage beschäftigt. «Ganz Berlin diskutiert die schockierenden Bilder der Schweine-Qualen auf der Grünen Woche», schreibt die B.Z. – 25 Ferkel unterschiedlicher – wie soll man sagen? – Migrationshintergründe (was hier so viel bedeutet wie: aus der Prignitz) haben sich blutige Machtkämpfe um die Rangordnung in ihrem neuen Stall geliefert. Der Senat legt unterdessen eine bunte Karte Berlins vor; für die rot markierten Problembezirke sei unter anderem charakteristisch, dass hier Kinder als Berufswunsch «Hartz-IV-Empfänger» angeben. Ich glaube ich hatte in meiner Kindheit in das gleiche Feld «Manager» geschrieben. Für besorgniserregend hielt das damals aber noch niemand. Apropos Berufswunsch: Die Frauen der Berliner SPD wollen das Gleichstellungsgesetz überarbeiten; viele Stellen im Management, beklagen sie, seien noch immer «auf männliche Biografien» angelegt. Also so was wie: als Junge geboren, «Max aus den Wilden Kerlen» als Berufswunsch angegeben, sich im Kindergarten nach oben gebissen, eine Racker-Bande gegründet und bereits am 6. Geburtstag die erste Tischbombe gezündet. Ich will jetzt nicht behaupten, dass das Amt des regierenden Berliner Bürgermeisters exakt auf diese Biografie zugeschnitten ist. Aber nur so viel: wird das Gleichstellungsgesetz nicht bald überarbeitet, wird Wowereit auf seiner Stelle bleiben. Ich schwör.
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