Wie die erste automatische Dönerfrau in Berlin vorgestellt wurde

A-DR-V 1003 kann Dönerspiesse scannen und automatisch schneiden. Mehr muss man nicht wissen. Entscheidend ist, was A-DR-V 1003 nicht kann. Husten zum Beispiel. Oder ins Fleisch niessen. Auch Barthaare kann er keine fallen lassen. Oder Sozialversicherung verlangen. Das zu sagen war von den Herstellern politisch vielleicht nicht ganz korrekt. Aber als Türken dürfen sie das.
Geschniegelt wie an einer Hochzeit traten die Aussteller an der ersten „Döner Gastronomie Kontaktmesse“ im gediegenen Berliner Reuter-Haus auf. Man hatte ja erwartet, nach dem Besuch drei Tage lang nach Fett und Knoblauch zu riechen. Gerochen hat man dann tatsächlich, allerdings nach Aftershave und Haargel. Dass die Männer dann auch noch alle eine Rose im Veston trugen, als sie die Sauberkeit und Präzision des neuen A-DR-V 1003 rühmten, bekräftigte einem nur noch im längst gehegten Verdacht: A-DR-V ist eine Frau.
„Kann gut sein“, meint Yafes Sahin, auf das Geschlecht des Roboters angesprochen. „Er ist sehr pingelig. Wir werden das wohl bald mal entscheiden.“
Wir, das ist die Firma Güçtek – „The first and only doner robot manufacturer in the world“ – aus Izmir in der Türkei. Angefangen hatte es mit der Firma damit, dass ein paar junge türkische Informatiker festgestellt hatten, dass die Dönerproduktion – wie soll man es politisch korrekt sagen? – technisch wenig weit entwickelt ist. Der Dönermann sieht aus wie ein schwerttragender Osmane aus dem 14. Jahrhundert. Das muss die türkische Seele kränken, zumal das Land in Sachen Innovation sowieso schon abgeschlagen ist. Ob man die Liste der Wissenschaftsnobelpreisträger vergebens nach Türken absucht, sich die Zahlen der OECD anschaut oder einfach mal „Türkische Erfindungen“ bei Google eintippt und ausser einem ominösen Pertuum Mobile und dem Döner kaum etwas Patentes findet.
Zumindest auf dem Dönergebiet soll jetzt aufgeholt werden. Denn immerhin: Die Branche ist in Deutschland umsatzstärker als McDonald‘s und Burger King zusammen. Mit dem Döner-Roboter soll der Kebab endlich zu dem gemacht werden, was er seit seiner Erfindung 1973 in Berlin sein wollte: Globales Fastfood. Um von einem Tag auf den anderen einen Dönerladen an jedem beliebigen Ort auf der Welt zu eröffnen, braucht es jetzt keinen türkischen Handwerker mehr, sondern nur noch einen Schneideroboter für rund 10‘000 Euro.
Ihr werdet also Burger King schlagen? „Inschallah. So Gott will“, sagt Mustafa. Er grinst. Er ist 29, ebenfalls Rosenträger und laut Visitenkarte „Chief of Doner Robots“ für Forschung und Entwicklung. 7 Jahre lang haben er und seine Kollegen an der Maschine gebaut. Ob Gott jetzt will? 45 Roboter wurden bislang verkauft.
Geschrieben fürs St. Galler Tagblatt
Artikel drucken
Februarwoche 1: Gangsta‘week
Als Bushido bei der Premiere seines Films am Mittwoch sagte: «Ich war so aufgeregt, ich konnte den ganzen Tag nur ein halbes Snickers essen», dachte man eigentlich: Das wird eine friedliche Woche. Aber dann brach eine Welle der Gewalt über die Stadt herein, wobei der fiese «Mumien-Räuber» noch zu den vernünftigeren Erscheinungen im Berliner Kriminaltheater zählte. Die gesamte triebgesteuerte Militanz war in Aktion, von Rentnern mit Todes-Pfannen über Pastoren mit Onanierkerzen bis zu Linken mit Campinggas. Letztere hatten mit einer so genannten «Campinggaskartuschenbombe» – die Brandbombe des militanten Spiessers – einen Anschlag auf die Rückseite des «Hauses der Wirtschaft» verübt, worauf der CDU-Abgeordnete Robin Juhnke sagte, dass die Anschläge der linken Szene ganz «neue Dimensionen» hätten. Aber es gab auch Erfolge in der Kriminalitätsbekämpfung diese Woche. Ein 21-jähriger Waffenhändler wurde gefasst, bei dem neben 43 Kurzwaffen und 18 Langwaffen auch ein «verbotenes Laser-Modul» entdeckt worden war. Wurde neben diesem «Laser-Modul» vielleicht auch noch ein übergrosser schwarzer Stahlhelm gefunden? Sowie ein Star-Wars-Poster von Darth Vader? Und natürlich hat auch Berlin der Kauf der CD mit den Schweizer Bankdaten bewegt. «Jeder, der ein schlechtes Gewissen hat, sollte es jetzt sehr, sehr schnell erleichtern», sagte Finanzsenator Ulrich Nußbaum der B.Z.. Vier Berliner haben sich in der Zwischenzeit selbst angezeigt, worauf man sich natürlich fragt: 4?! Wow. Die Berliner scheinen weniger Angst zu haben auf dieser Daten-CD zu erscheinen als Tocotronic auf der BRAVO-Hits. Aber apropos BRAVO-Hits: Wo ist eigentlich die zweite Hälfte deines Snickers hin, Bushido? Als ich noch ein harter Junge war, hatte ich auch «eh grad keinen Hunger mehr», als man mir mein Pausenbrot klaute. Hoffen wir, dass die nächste Woche friedlicher wird.
Artikel drucken