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Märzwoche 2: Tätertausch

«Terroristische Züge» habe die linksextremistische Gewalt auf Berlins Straßen angenommen, empörte sich die CDU. Ständig brennen neue Autos in der Stadt. Worauf Innensenator Körting meinte, dass er «für jeden intellektuellen Hinweis» dankbar sei, wie man die Täter schnappen könnte. Also ich habe ja gelegentlich mit Intellektuellen zu tun (jedenfalls Leute mit einem Professoren-Titel). Würde ich sagen: Das wird nichts. Intellektuelle Hinweise klingen etwa so: «Zunächst stellt sich die Frage: Wie definiert man überhaupt Auto? Und ab wann ist ein Feuer ein Feuer? Und wer ist überhaupt der Täter? Der, der das Auto legt oder der, der das Feuer parkt?» Da geht man lieber gleich Kaffee trinken. Ebenfalls heftig gestritten wurde diese Woche um die Definition von «Dienstwagen», nachdem aufgeflogen war, dass Harald Ehlert, Chef der Obdachlosenhilfsorganisation Treberhilfe, als solchen einen Maserati fährt. «Diakonie hält Maserati für “ethisch verwerflich”», titelte die Morgenpost – und musste gleich mal einen ausgiebigen Blick auf dieses Objekt der Begierde werfen, die da von der Diakonie das Prädikat «ethisch verwerflich» erhalten hat. «Der 2000-Kilo-Brocken Quattroporte GTS (…) produziert einen aggressiven Sound auf Ferrari-Niveau, der für deutsche Limousinen dieser Bauart unerreichbar bleibt», heisst es im Artikel. Es war, als hätte Ehlert eine Affäre mit einer gehabt, die sich glücklicherweise mal für den Playboy hat fotografieren lassen und nun von der ganzen Stadt begutachtet werden muss, damit sich jeder ein Bild vom Ausmass der Affäre machen kann. Fragt sich am Ende nur: Ist hier nicht eher der Maserati, der Ehlert verführt hat, der Täter?

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March 15, 2010. Herrfischer. No Comments.
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Februar/März: Ikeawoche

Berlin war schlecht gelaunt, als meine Freundin und ich vor drei Wochen nach England verreist sind. Alice Schwarzer disste Bushido: Er solle nichts vom Ghetto erzählen, er sei kein richtiger Gangster, sondern aus Tempelhof. Fand ich natürlich auch. Ein Bushido der Gangster-Rap macht ist ja in etwa so glaubwürdig, wie wenn Alice Schwarzer eine Frauenzeitschrift machen würde. Dann war da noch diese Sache mit dem Buch von Helene Hegemann, in dem die 16-jährige über das Innenleben eines Clubs schreibt, dessen Türsteher eigentlich keine Minderjährigen hereinlässt. Es hat sich herausgestellt, dass Hegemann aus dem Buch eines zehn Jahre älteren abgeschrieben hat, was – vielleicht mit Ausnahme des Türstehers – den deutschen Kulturbetrieb in seinen Grundfesten erschüttert hat. Wo kommen eigentlich Ideen her?, fragten sich plötzlich alle. War auch James Cameron gar nicht wirklich bei IKEA? Die Namen seiner nach IKEA-Möbeln benannten Avatar-Figuren könnte er auch aus dem Katalog abgeschrieben haben. Und wo wir schon bei IKEA sind: Hat Bushido seine Jugendknastgeschichten womöglich gar nicht auf der Straße, sondern im Tempelhofer IKEA-Kinderparadies gesammelt? Aber wie kam er da als 16-Jähriger noch rein? Es ging – kurz gesagt – mal wieder um die Frage, wer in Berlin wie viel Street Cred hat, beziehungsweise ob man gleichzeitig in Tempelhof und im Ghetto wohnen kann, ob man volljährig und 16 sein kann und ob man in Berlin leben und einem diese ganzen Fragen egal sein können. Dabei waren die Einzigen, die wirklich Street Cred hatten, die Glätte-Opfer, deren Gipsbeine in der B.Z. zu einer Erzählung von der eiskalten Härte der Berliner Straßen verdichtet wurden, mit einer auf dem Bett aufgebahrten gebrochenen Frau, die aussah wie Michelangelos Pietà und die ästhetische Kraft hatte, zur Symbolfigur für alles zu werden, was die Menschen in Berlin kaputt macht. Aber dann sind wir nach drei Wochen zurückgekommen und das Eis war weg und es scheint wieder die Sonne.

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March 8, 2010. Herrfischer. No Comments.
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