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Wo die deutsche #landschaft blüht

7. Juli 2017

herrfischer

Wo man auch hinschaut: eigentlich ist Landschaft überall. Aber nicht immer nennen wir diese Felder, Wiesen und Wälder auch Landschaft. Nicht immer nehmen wir sie auch als „Landschaft“ wahr. Deshalb haben wir in unserer aktuellen Instagram Daten-Kolumne im DB mobil untersucht, wo  in Deutschland am meisten #landschaft ist – also wo Instagrammer den Hashtag #landschaft überdurchschnittlich viel verwenden.

(Für die Datenanalysten unter euch: Wir – oder besser gesagt mein Kollege David Goldwich – hat mit Hilfe von QGIS geschaut, in welchen 50-Kilometer-Radien besonders viele #landschafts-Fotos im Vergleich zu #hunde-Fotos sind.)

Interessanterweise hatte das ZEITmagazin vor ein paar Monaten etwas ähnliches gemacht. Nur dass sie sich nicht für die hundertausenden Instagrammer, sondern für die grossen Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts interessierten. Sie wollten wissen, wo diese ihre Motiv fanden, was diese unter Landschaft verstanden. Oder genauer: Was diese damals zur „Landschaft“ erklärt hatten. Die Detailanalyse überlasse ich den Kunsthistorikern und Bildwissenschaftlern. Nur mal grob: Wenn es um Landschaftsfotos geht, sind Instagrammer soo 19. Jahrhundert.

 

Wo die deutschen #burgen stehen

31. März 2017

herrfischer

Für die aktuelle DB mobil haben wir untersucht, wo es in Deutschland die meisten / fotogensten Burgen gibt, also wo die meisten Instagram-Fotos mit Hashtag #burg gepostet werden. Klar, an der Grenze zu Frankreich, dem Rhein entlang. Nürnberg sticht heraus, weil dort die Kaiserburg mitten in der viel besuchten Stadt steht, weitherum sichtbar…

Welches #kostüm tragen Instagrammer am liebsten?

24. Februar 2017

herrfischer

Kostuem

Zum Karneval haben wir für DB mobil analysiert, welches die beliebtesten #kostüme auf Instgram sind. Warum sind #katze und #rotkäppchen so populär? Je drei Schnauzhaare auf die Wangen malen oder eine rote Mütze aufsetzen, fertig ist die Verkleidung. #batman werden ist sehr viel komplizierter (der #clown dagegen ist vielleicht einfach aus der Mode…)

 

 

Was wir aus dem Abo-Crowdfunding für Reportagen.fm gelernt haben

18. Februar 2017

herrfischer

danke

Oder allgemeiner: Wie eine (werbefreie) Finanzierung von (kleineren?) Online-Medien funktionieren kann. In Zahlen, natürlich.

Am Donnerstag gelang uns, woran wir noch im Dezember schwer zweifelten: Über 150 Leute sagten zu, Reportagen.fm monatlich mit durchschnittlich je 2 Euro zu unterstützen. In einem 6-wöchigen Crowdfunding sammelten wir – über die neue Plattform Steady – 300+ Euro/Monat ein. Grosse Freude!

Für die, die uns nicht kennen: Immer freitags empfiehlt Reportagen.fm die drei besten Reportagen im Netz. 3 Links, kurz und knapp. Daneben interviewen wir Reporter oder fragen sie nach ihren Lieblingsreportagen.

300 Euro/Monat decken unseren Aufwand nicht ganz. Aber eine kleinere Einnahmequelle haben wir noch. Und bestimmt kommen noch Abos hinzu.

Was die Finanzierung bislang schwierig machte? Wir haben zwar eine sehr treue und durchaus zahlungsbereite Fan-Gemeinde, sind aber nicht gerade der Blogbuster unter den Online-Medien. Wir haben jeweils 2500-3000 Follower auf Facebook und Twitter. Den Newsletter haben 1800 Leute abonniert (die mit einer Klickrate von unüblichen hohen 16% den Grossteil der Interaktion ausmachen). Hinzu kommen noch einige im Newsfeed.

Wir geben diese (und gleich noch mehr) Zahlen so raus, weil wir glauben, dass sie anderen unabhängigen Online-Medien helfen können.

Erster Finanzierungsversuch: Premium-Newsletter

Als wir vor mehr als einem Jahr 1500 Abonnenten hatten, versuchten wir ein Bezahl-Modell einzuführen (man kann natürlich auch früher starten). Wir lancierten einen Premium-Newsletter. Allerdings mit zwei grossen Problemen:

  1. Kein Aushängeschild mehr. Wir machten die (beliebten) Lieblingsreportagen nur noch zahlenden Usern zugänglich. Allerdings gewannen wir über sie stets auch Leser – und jetzt waren sie weg.
  2. Kein einfaches Zahlungssystem. Wir entschieden uns für Paypal. Um dort Abos abzuwickeln, die sich automatisch verlängern, braucht man allerdings einen Mindestumsatz, den wir nicht hatten. Wir sollten also jedes Jahr unsere User um Verlängerung des Abos bitten.

Unsere Leser konnte zwischen 12, 24 und 36 Euro/Jahr wählen.

Wir gewannen im Laufe des Jahres etwa 160 Abonnenten, wobei 150 von ihnen den Standardpreis von 12 Euro wählten. Als Prämie gab es kostenlos ein REPORTAGEN-Probeheft. Etwas mehr als die Hälfte unserer zahlenden Leser waren Newsletter-Abonnenten.

Der Start lief ganz gut, trotz der selbst gebastelten, rudimentären Paypal-Paywall. 300+ Abonnenten hätten wir bei 12 Euro im Jahr gebraucht. Etwa 100 kamen in den ersten Monaten rein. Doch dann stagnierte das Wachstum.

Wollte niemand unsere Premium-Inhalte? Ich fürchte das war der Fall. Es war ja eigentlich logisch. Das Problem der Leser im Internet ist die Informationsflut. Reportagen.fm löst dieses Problem ein klein wenig. Deshalb mögen uns unsere Leser. Warum sollten sie also für wieder mehr Flut zahlen?

Wir überlegten kurz, auch die Wochenauswahl hinter eine Paywall zu stellen, bzw. den Newsletter nur noch an zahlende Abonnenten zu schicken. Ich glaube das kann funktionieren, allerdings nur von Anfang an und mit einer guten Systemarchitektur mit Probeabos etc. Uns hätte es hingegen die ganze Community zerstören können. (Werbefinanzierung hatten wir übrigens nie versucht. Die Idee von Reportagen.fm ist Klickreduktion. Selbst unsere treusten Leser rufen unsere Seite nur genau vier mal im Monat auf. Gute Monate sind bei uns, wenn wir mehr als 5000 Seitenaufrufe haben.)

Zweiter Versuch: Freiwillige Crowd-Abos

Die Stimmung war also nicht mehr so gut im letzten Sommer, als uns Sebastian Esser Steady ankündigte. Die Idee war zwar interessant: Man sagt seinen Lesern, welchen Betrag man monatlich braucht. Dann schliessen diese (hoffentlich) Monats-Abos ab. Anders als beim Crowdfunding gibt es allerdings keine Frist (ich glaube aber, man sollte trotzdem eine setzen, wir taten das jedenfalls).

Bald soll es für Steady auch eine Paywall-Funktion geben. Wir entscheiden uns aber dafür, unsere Paywall wieder abzuschaffen und stattdessen einfach auf freiwillige Abos zu setzen. Ob sich das bewährt, muss sich zeigen. Wir glauben aber, dass es letztlich das Leben von allen einfacher macht. Wir müssen keine Paywall bauen, durch die sich dann die Leser ständig durchmanövrieren müssen. Ausserdem wird Reportagen.fm so wieder für alle interessanter.

Aber hätten wir mit unseren Zahlen überhaupt starten dürfen? Eigentlich nicht. Wenn alles wie geplant gelaufen wäre, hätten wir wieder 150 Abonnenten à 1 Euro/Monat konvertiert. Das wären 150 Euro/Monat gewesen – die Hälfte von dem, was wir kurzfristig brauchten. Wir taten es dennoch. Kamikazeaktion. Es war die letzte Chance. Der Newsletter machte uns sonst zu viel Aufwand.

Wir gaben den Lesern wieder drei Optionen: 1, 2 oder (jetzt sogar) 5 Euro im Monat. Doch dann passierte etwas Unerwartetes. 60% wählten die 2 Euro, 10% sogar 5 Euro. Heisst: im Schnitt doppelt so viel wie beim Jahresabo (sofern der Leser nicht abspringt). Der Unterschied zwischen 1 und 2 Euro monatlich fühlt sich für den Leser nicht nach viel an. Uns hat er gerettet.

Nicht überraschend flachte das Abo-Wachstum nach der ersten Woche wieder ab, nachdem vor allem unsere grössten Fans ein Abo abgeschlossen hatten:

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Wir mussten also etwas Druck machen. In unserem Fall war das zuerst ein Newsletter ohne Wochenauswahl. Das zog. Die Woche drauf schrieben wir, dass wir das Funding bis Ende Februar voll kriegen müssen, um weiterzumachen. Das half uns über die 90% – was wiederum die Zielgerade-Stimmung auslöste.

Nur falls der Verdacht aufkommt: Wir haben kein eigenes Geld reingesteckt.

Tja, so hat es geklappt.

Wir gewannen bei dem 6-wöchigen Funding 160 freiwillige Abonnenten, so viele wie beim Premium-Newsletter über das ganze Jahr. Und als die 300 Euro bereits beisammen waren, kaufte ein Hamburger Verlag sogar noch für einen Monat ein «Goldesel»-Abo für 100 Euro. Daher sind wir aktuell bei 140%.

Fazit bis jetzt

Ich halte diese Crowd-Abos zur Finanzerung von Online-Medien für wirklich sehr vielsprechend (und ein solches Gefühl hatte ich bislang selten). Das Abo-Prinzip ist den Usern vertraut. Dem Medium bringt es laufend Einnahmen.

Was das Ganze kostet:

  • Steady kassiert 10% des Umsatzes
  • Minus USt (was blöd ist für Seiten, die nicht USt-pflichtig sind)
  • Minus Zahlungsgebühren (deren Höhe variiert)

Damit ich jetzt aber nicht in eine Dauerwerbesendung für Steady abrutsche (for the record: ich kenne den Mitgründer Sebstian Esser von Berufs wegen und Reportagen.fm war zeitweise bei seinem Projekt Krautreporter präsent), schliesse ich mit ein paar Minuspunkten, die man beachten sollte:

  • Bei einem Mini-Abo von nur 1 Euro/Monat können – wenn die Leute mit Paypal bezahlen, was etwa die Hälfte tut – schon mal weniger als 50 Cent übrig bleiben (deshalb starten viele Projekte mit höheren Beträgen).
  • Wir haben jetzt mit Steady eine eheähnliche Partnerschaft. Wir erhalten zwar Namen und E-Mail-Adressen unserer Abonnenten, aber die Zahlungsabwicklung läuft über Steady. Wir können in dieser Ehe zwar fremdgehen, sollte bspw. ein anderer Anbieter mal besser Konditionen bieten. Die alten Abonnenten würden aber bei Steady bleiben.
  • Steady ist ein Startup. Sollte sie scheitern: Tja, dann haben wir ein Problem. Aber gut, auch Amazon hatte in den USA seinem Abo-Bezahlservice einfach den Stecker gezogen und das war, vermute ich, für Longreads kein Spass, die darüber ihre Abos abgewickelt hatten. Passiert.

Will Harald Martenstein mich umbringen?

2. Februar 2017

herrfischer

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Über Flüchtlinge, Autos, Wohlbefinden und Todesgefahren.

Hinweis: Wenn ihr in meinen Zahlenspielereien Rechen- oder Denkfehler findet, weist mich gerne drauf hin. Ich mache diese Blog-Beiträge nur nebenher.

 

Im Zeit-Magazin las ich letzte Woche die Martenstein-Kolumne (ich höre auch JAM FM). Es ging um «Opferzahlen und Gewissensfragen». Martenstein fragt:

«Würden Sie Ihr Leben opfern, um 20 Flüchtlinge zu retten?»

(Ach so, ja: Martenstein vertritt die Meinung, dass sich durch die Flüchtlingspolitik das Terror-Risiko «maximiert» habe.)

Ich begann zu grübeln: Abgesehen davon, dass solche Rechnungen einem nicht sonderlich weit bringen – wie kommt er auf 1/20? Es gab 2016 über 300 000 neue Asylsuchende. Im selben Jahr kamen in Deutschland 12 Menschen durch einen Terroranschlag (Berlin) ums Leben. Gut, es hätten auch mehr sein können, wenn Ansbach und Würzburg schlimmer ausgegangen wären. Und klar, die Zahl kann stark schwanken. Allein in Paris gab es letztes Jahr 149 Opfer durch islamistischen Terror, der die Flüchtlingsroute nutzte.

Aber gut, fragen wir nochmals neu:

Würden ich mein Leben opfern, um 25000 Flüchtlinge zu retten?

Schwierig. Aber stellt sich mir diese Frage überhaupt? Ich sterbe ja nicht mit Sicherheit. In meinem Fall gestaltet es sich so: Es gibt in Deutschland etwa 9,5 Millionen 30-40jährige (mein Alter). Von ihnen sterben jährlich rund 6400 oder 0,0674%. Unschön. Würde sich die Zahl durch einen Terroranschlag um – sagen wir: 10 – erhöhen, wären es 0,0675%. Auch sehr unschön.

Aber formulieren wir die Frage nochmals neu:

Würde ich mein mein Risiko, im nächsten Jahr zu sterben, von 0,0674% auf 0,0675% erhöhen, um (jetzt sogar wieder) 300 000 Flüchtlinge zu retten?

Darauf kann man natürlich mit «Nein» antworten und Harald Martenstein zustimmen, wenn er meint:

«… keine Regierung der Welt hat das Recht dazu, ihren Bürgern das zuzumuten.»

Die Frage ist dann nur: Warum nimmt sich Harald Martenstein – gebilligt und gefördert von der Regierung – das Recht heraus, mir eine viel grössere Todesgefahr zuzumuten?

Ich wühlte weiter in der «Todesursachen»-Rubrik des Statistischen Bundesamtes. 2016 starben in Deutschland 1891 Männer meiner Altergruppe (30-35). Mit 8,9% eine der häufigen Todesursachen: Verkehrsunfall.

Ingesamt sterben in Deutschland jährlich rund 3500 Menschen im Strassenverkehr. Etwa 900 davon sind Fussgänger oder Radfahrer. Gut, einige selbstverschuldet. Und zugegeben, auch ich sollte meinen Fahrradhelm öfters tragen. Und sicherer fahren (und auf meinen Kreislauf achten).

Dennoch: Die grösste Bedrohung für mein Leben, die direkt von anderen Leuten ausgeht, sind wohl Autos und LKWs.

Und hier geraten Harald Martenstein und ich aneinander.

Ich will Harald Martenstein nicht unterstellen, dass er mit seinem Auto nur durch Berlin fährt, um an einer Kreuzung mal eben schnell rechts abzubiegen, wenn er mich mit meinem Fahrrad im Rückspiegel sieht. Aber sagen wir es so: er nimmt es zumindest ein klein wenig in kauf, mich allenfalls umzubringen.

Warum? Wellness.

«Ich fahre gerne Auto», sagte Harald Martenstein mal in einem Interview. Er wohnt im Graefekiez. Zu seiner Arbeit könnte er mit der S-Bahn. Das wäre weniger gefährlich für mich. Er nimmt trotzdem lieber das Auto. Weshalb?

«Weil mein Auto ein persönlicher Raum ist, den ich gestalte, wie ich das will – natürlich nicht mit nickendem Hund oder umhäkelter Klorolle oder was du jetzt denkst. Es ist wie ein fahrendes Zimmer, in dem ich mich wohl fühle. Eine Kapsel.»

Ich gönne ihm diese Kapsel. Ich will sie ihm nicht verbieten (manchmal gönne ich sie mir auch selbst). Aber sie erhöht mein Risiko, bald zu sterben.

Nun kommen viele Einwände: Nicht alle fahren zum Spass! Nicht in allen LKWs ist nur Ware für Butler’s! In vielen sind Lebensmittel. Und nicht alle könnten, so wie Harald Martenstein, auch mit der Bahn zur Arbeit. Aber wir sprechen von 3500 Toten jedes Jahr, viele davon unschuldig.

Martenstein betont, dass er durchaus dafür sei, Flüchtlinge aufzunehmen, aber dass sie unzureichend kontrolliert würden. Ich frage mich angesichts der Zahlen eher, ob Verkehrsminister Dobrindt genug tut, um mein Leben vor Leuten wie Harald Martenstein zu schützen?

Verkehrstote sind vermeidbar. Schweden hat schon lange mit einer Vielzahl von Massnahmen (Radwege, Brücken, Tempolimit) die Zahl markant reduziert. Auch in Deutschland ist viel passiert. Trotzdem gibt es hier pro einer Million Einwohner über zehn Tote mehr als in Schweden (der EU-Durchschnitt ist 50,5). Deshalb twitterte Marcus Pretzell von der AfD bei der Veröffentlichung der Opferzahlen auch immer umgehend und wutentbrannt: «Es sind Dobrindts Tote!» Deshalb fordern CSU und AfD so vehement eine Obergrenze für Autos und Lastwagen. Und deshalb versprach Horst Seehofer:

«Wir sind es den Opfern, den Betroffenen und der gesamten Bevölkerung schuldig, dass wir unsere gesamte Verkehrspolitik überdenken…»

Spass. Machen sie natürlich nur bei Terrortoten.

Zurück zu den Opferzahlen und Gewissensfragen.

Sagen wir es so: Die Grünen hätten statistisch deutlich bessere Gründe gehabt, nach den Anschlägen in Berlin und Nizza eine Lastwagenobergrenze zu fordern als die AfD/CSU eine Flüchtlingsobergrenze. Nicht dass ich zu weiteren solchen absurden Zahlenschiebereien anstiften möchte, aber: brauchen die nicht noch ein Wahlkampfthema?