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Ich kann ja verstehen, dass ihr sauer seid, aber …

25. Juni 2020

herrfischer

Gute Karten

Das Magazin Katapult wirft mir und dem Hoffmann und Campe-Verlag Ideen-Klau vor. Der Wutanfall von Chefredakteur Benjamin Fredrich klingt dabei ein bisschen wie ein enttäuscht tobender Ex. Darauf möchte ich kurz reagieren, in aller Ruhe.

Hoffmann und Campe hat 2019 mit Katapult das Buch «100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern» herausgebracht. Die Idee zu solch einem Buch kam vom Verlag. Das Konzept entwickelten die beiden gemeinsam. Es war ihr gemeinsames Kind. Der Verlag ging finanziell ins Risiko. Er hätte dabei viel Geld verlieren können. Das ist im Literaturbetrieb normal.

Das Buch wurde ein großer Erfolg. Doch dann haben sich die beiden getrennt. Katapult wollte eine ungewöhnlich hohe Umsatzbeteiligung – und ist dann zu Suhrkamp gegangen. Hoffmann und Campe fand das nicht so gut. Und fragte mich, ob ich eine Fortsetzung des Buches machen wolle. Neue Liebe, neues Glück, für beide.

Unser Buch heißt «Gute Karten: Deutschland, wie Sie es noch nie gesehen haben».

Wir haben eine Nachfolge gemacht, klar. Unser Anspruch jedoch war: Wir bauen auf dem Konzept auf, das Hoffmann und Campe gemeinsam mit Katapult entwickelt hat –  aber wir kopieren keine Ideen. Bis auf wenige Ausnahmen, die wir in den Fußnoten auch so kenntlich machen, sind alle Karten-Einfälle und Recherchen von uns. Von Katapult sind keine. Ich recherchiere seit über zehn Jahren als Datenjournalist Karten und Statistiken und wir haben für das Buch monatelang akribisch und mit Herzblut recherchiert.

Herausgekommen ist ein Buch, auf das wir stolz sind, das sehr gute Presse erhalten hat und im Verkauf sehr gut läuft. Wer möchte, blättert in der Buchhandlung seines Vertrauens durch beide Bände und entscheidet sich für den, der ihn mehr ins Stutzen und Staunen versetzt.

Es verwundert, dass sich ausgerechnet Katapult seit einiger Zeit immer wieder über Ideen-Klau beschwert. Fredrich schreibt zwar in seinem Wutanfall etwas kleinlaut, er habe früher auch selbst Ideen und Karten geklaut. Nur ist das ist untertrieben, um nicht zu sagen: Bullshit.

Katapult hatte immer wieder recht freizügig Ideen von anderen kopiert und als die eigenen verkauft. Selbst das lustige Titelblatt des «100 Karten»-Buchs ist einfach ein alter Geografen-Witz von Reddit, den Katapult lediglich übersetzte:

Der Datenjournalismus hat stets davon gelebt, dass man auf Vorgänger aufgebaut und sie erweitert hat. Katapult hat davon stets profitiert und den Datenjournalismus mit nach vorn gebracht. Ich kann verstehen, dass Fredrich wütend ist und dass er und seine Leserinnen und Leser sich nun an mir persönlich abarbeiten müssen. Aber so ist das nun einmal nach Trennungen.

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