Es hätte mir an nichts gefehlt. Ich hätte, mit 150 anderen Journalisten aus 30 Ländern, luxuriöse Tage auf der «Grand Tour of Switzerland» verbringen können, der Schweizer Route 66, einem neuen Produkt von Schweiz Tourismus.
Ich hätte für die Fahrt einen Audi gekriegt. Ich hätte, las ich in der Presse-Einladung, im Tessin «geballte Spitzenkulinarik» genossen und «glamourös im Zirkuswagen» übernachtet (was sich offenbar «Glamping» nennt, originell, komfortabel und im Trend sein soll). Ich wäre mit einem Jetboot über den Brienzersee gedüst. Und das alles auf Einladung, also umsonst, damit ich eine Reportage über die Schweiz und diese «Grand Tour» verfasse. Als Schweizer, der in Berlin für Deutsche schreibt, wäre ich wohl Idealkanditat gewesen.
Aber als ich dann auch noch von dem beheizten Bergsee las, dachte ich: Ach lasst mal. Spart euch das Geld für den Glampingwagen und die Spitzenkulinarik. Ich mach’ die Tour alleine. Und zwar so, wie man einst auf der echten Route 66 wirklich unterwegs war: Ohne Geld und ohne Ahnung, wohin die Reise führt. Nur von der vagen Hoffnung getrieben, dass Leben, Land und Leute etwas Neues bringen – und dass es eventuell gut sein wird. Vielleicht erlebe ich so mehr von der Schweiz als durch getönte Autoscheiben.
Morgen starte ich in Basel. In zehn Tagen will ich die Route schaffen, einmal rund um die Schweiz. Basel-Delémont-La-Chaux-de-Fonds-Neuchâtel-Bern-Montreux-Sion-Lugano-St. Moritz-Davos-Appenzell-St. Gallen-Schaffhausen-Zürich-Luzern. So ungefähr. Nur mit Rucksack und Schlafsack. Und einem ganz kleinen bisschen Geld: 10 Franken für 10 Tage. Dazu später mehr.
Ich werde unterwegs Twittern und vor allem Instagrammen und hier ab und zu schreiben, so die Sonne scheint und die Solarzelle wärmt. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wird die Reportage dann erscheinen. Dort, wo ich schon mal die Idee einer deutsche Route 66 gesponnen hatte. Oder über die Mühen berichtet, alleine im Wald zu schlafen.
Mögen Leben, Land und Leute mir gnädig sein.
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