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Die Grand Tour of Switzerland mit 10 Franken in 10 Tagen

29. Juli 2015

herrfischer

IMG_5163 Es hätte mir an nichts gefehlt. Ich hätte, mit 150 anderen Journalisten aus 30 Ländern, luxuriöse Tage auf der «Grand Tour of Switzerland» verbringen können, der Schweizer Route 66, einem neuen Produkt von Schweiz Tourismus.

Ich hätte für die Fahrt einen Audi gekriegt. Ich hätte, las ich in der Presse-Einladung, im Tessin «geballte Spitzenkulinarik» genossen  und «glamourös im Zirkuswagen» übernachtet (was sich offenbar «Glamping» nennt, originell, komfortabel und im Trend sein soll). Ich wäre mit einem Jetboot über den Brienzersee gedüst. Und das alles auf Einladung, also umsonst, damit ich eine Reportage über die Schweiz und diese «Grand Tour» verfasse. Als Schweizer, der in Berlin für Deutsche schreibt, wäre ich wohl Idealkanditat gewesen.

Aber als ich dann auch noch von dem beheizten Bergsee las, dachte ich: Ach lasst mal. Spart euch das Geld für den Glampingwagen und die Spitzenkulinarik. Ich mach’ die Tour alleine. Und zwar so, wie man einst auf der echten Route 66 wirklich unterwegs war: Ohne Geld und ohne Ahnung, wohin die Reise führt. Nur von der vagen Hoffnung getrieben, dass Leben, Land und Leute etwas Neues bringen – und dass es eventuell gut sein wird. Vielleicht erlebe ich so mehr von der Schweiz als durch getönte Autoscheiben.

Morgen starte ich in Basel. In zehn Tagen will ich die Route schaffen, einmal rund um die Schweiz. Basel-Delémont-La-Chaux-de-Fonds-Neuchâtel-Bern-Montreux-Sion-Lugano-St. Moritz-Davos-Appenzell-St. Gallen-Schaffhausen-Zürich-Luzern. So ungefähr. Nur mit Rucksack und Schlafsack. Und einem ganz kleinen bisschen Geld: 10 Franken für 10 Tage. Dazu später mehr. 

Ich werde unterwegs Twittern und vor allem Instagrammen und hier ab und zu schreiben, so die Sonne scheint und die Solarzelle wärmt. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wird die Reportage dann erscheinen. Dort, wo ich schon mal die Idee einer deutsche Route 66 gesponnen hatte. Oder über die Mühen berichtet, alleine im Wald zu schlafen.

Mögen Leben, Land und Leute mir gnädig sein.

  1. Giovanni #
    Juli 30, 2015

    Würde Sie ja gerne unterstützen – aber St.Gallen zu Stankt-Gallen zu verhunzen, geht dann doch zu weit! Trotzdem gute Reise!

  2. Juli 30, 2015

    Das geht wirklich zu weit. Hab es beschönigt :)

  3. kdm #
    Juli 30, 2015

    Na und?
    Ich bin 1973 mit 30 Mark in der Tasche von Berlin in die Schweiz, bis ins Tessin, getramt, und hab dort in einem ‚Camp‘ in den Bergen & dann in Zürich 3 Wochen gelebt. In Zürich hab ich Comichefte auf den Strassen verkauft, für die Wohngemeinschaft von David Weiss (später: Fischli & Weiss). Eine schöne Zeit. Aber das war in dieser Zeit normal.
    .
    Und als 16jähriger bin ich – mit zwanzig Mark – mit dem Fahrrad von Berlin durch die DDR Richtung Hamburg gefahren; von Lauenburg dann weiter bis zum Rhein. Dort bei Bekanntes eines Freundes gewohnt und Taschengeld durch Kohlenaustragen verdient. Nach drei Wochen wieder retour, diesmal mit der Bahn (Geld durch’s Kohleaustragen) und das Ankunftsdatum am Bahnhof Zoo vergess‘ ich nie: Sonntag der 13. August ’61.
    Ein paar Jahre später nochmal das gleiche, von Berlin durch die DDR bis Nordddeutschland und retour nach Berlin; aber mit Moped (und wieder ohne Geld).

  4. kdm #
    Juli 30, 2015

    da fehlt ein p bei „getrampt“, sorry.

  5. josée troeschel #
    Juli 30, 2015

    Merwūrdig dass diese Art Unternehmung meistens gerade bis zur Sprachgrenze stattfindet. Hast Du nie von der schönen Lemansee (Genfersee fūr Dich) gehõrt oder hast Du Angst von der franzõsichen Sprache? Schade denn dort ist es wirklich wunderbar: Lebensart, Essen, Leute und noch mehr! Gute Reise wūnsche ich Dir trotzdem am Rand der Rõstigraben wo die Schweiz hoffensichtlich endet!

  6. Juli 31, 2015

    Seit gestern bin ich in Delément und rede nur noch Französisch. Morgen muss ich mich dann entscheiden ob über Montreux oder Interlaken in die Alpen, die Route erlaubt beides und beides hat seinen Reiz…

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