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Beiträge aus der Kategorie ‘Grand Tour of Switzerland’

Instagram für Reportagen?

9. August 2015

herrfischer

Nach 10 Tagen mit 10 Franken durch die Schweiz bin ich wieder zurück, wohlauf und wohlernährt – und ein bisschen klüger, zumindest was Social Media betrifft.

Eine ausführliche Reportage kommt bald. Es gibt viel zu erzählen. Und das auch deshalb: Ich versprach zu Bloggen und zu Twittern, doch funktioniert hat das nicht. Ich kam kaum dazu. Da waren die Umstände: Kaum Zeit, kaum WLAN, kaum Akku und dieses Solar-Ladegerät – nun ja. Da war aber auch das Format: Die Erlebnisse waren stets zu lang für Tweets und zu kurz für Blogs.

Was ich hingegen oft tat: Instagrammen – und die Bilder betexten. Meine Bildunterschriften wurden im Laufe der Reise immer länger. Irgendwann packte ich die Tagesereignisse, die ich eigentlich twittern wollte, einfach unter die Fotos (und teilte sie noch via Twitter und Facebook). Ein bisschen wie die gute alte Postkarte sah das jeweils aus. Ich mag es sehr:

Bildschirmfoto 2015-08-09 um 23.20.21
Ich bin kein aktiver Blogger und auch Twitter liegt mir nicht. Vielleicht bin ich als Schweizer zu langsam für Pointen in 140 Zeichen. Instagram hingegen analysiere ich nicht nur, sondern nutze die App auch persönlich viel. Zwar hauptsänlich, um kryptische Fotos mit ein paar Freunden zu teilen. Ich glaube aber, ich werde sie künftig auch für kleine Reportagen oder Berichte von Unterwegs verwenden.

Es gibt ein paar Journalisten, die Instagram zum Geschichten-Erzählen nutzen. Auch entwickelt sich die Plattform in entsprechende Richtung. Gerade hat Instagram seine Desktop-Version überarbeitet, ist nicht mehr so kleinteilig wie einst, und die Suchfunktion nachrichtlicher gemacht. Dass es Instagram mit der Nachrichten-Offensive ernst meint, daran habe ich zwar meine Zweifel. Aber wo Bild und Text eng verzahnt sind, Links und Kommentare keine grosse Rolle spielen und die Texte zu lang für Twitter, aber zu kurz für Medium sind, da wird Instagram ein interessantes journalistisches Medium.

Die Grand Tour of Switzerland mit 10 Franken in 10 Tagen

29. Juli 2015

herrfischer

IMG_5163 Es hätte mir an nichts gefehlt. Ich hätte, mit 150 anderen Journalisten aus 30 Ländern, luxuriöse Tage auf der «Grand Tour of Switzerland» verbringen können, der Schweizer Route 66, einem neuen Produkt von Schweiz Tourismus.

Ich hätte für die Fahrt einen Audi gekriegt. Ich hätte, las ich in der Presse-Einladung, im Tessin «geballte Spitzenkulinarik» genossen  und «glamourös im Zirkuswagen» übernachtet (was sich offenbar «Glamping» nennt, originell, komfortabel und im Trend sein soll). Ich wäre mit einem Jetboot über den Brienzersee gedüst. Und das alles auf Einladung, also umsonst, damit ich eine Reportage über die Schweiz und diese «Grand Tour» verfasse. Als Schweizer, der in Berlin für Deutsche schreibt, wäre ich wohl Idealkanditat gewesen.

Aber als ich dann auch noch von dem beheizten Bergsee las, dachte ich: Ach lasst mal. Spart euch das Geld für den Glampingwagen und die Spitzenkulinarik. Ich mach’ die Tour alleine. Und zwar so, wie man einst auf der echten Route 66 wirklich unterwegs war: Ohne Geld und ohne Ahnung, wohin die Reise führt. Nur von der vagen Hoffnung getrieben, dass Leben, Land und Leute etwas Neues bringen – und dass es eventuell gut sein wird. Vielleicht erlebe ich so mehr von der Schweiz als durch getönte Autoscheiben.

Morgen starte ich in Basel. In zehn Tagen will ich die Route schaffen, einmal rund um die Schweiz. Basel-Delémont-La-Chaux-de-Fonds-Neuchâtel-Bern-Montreux-Sion-Lugano-St. Moritz-Davos-Appenzell-St. Gallen-Schaffhausen-Zürich-Luzern. So ungefähr. Nur mit Rucksack und Schlafsack. Und einem ganz kleinen bisschen Geld: 10 Franken für 10 Tage. Dazu später mehr. 

Ich werde unterwegs Twittern und vor allem Instagrammen und hier ab und zu schreiben, so die Sonne scheint und die Solarzelle wärmt. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wird die Reportage dann erscheinen. Dort, wo ich schon mal die Idee einer deutsche Route 66 gesponnen hatte. Oder über die Mühen berichtet, alleine im Wald zu schlafen.

Mögen Leben, Land und Leute mir gnädig sein.