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Der 3D-Drucker MakerBot, Glaskugel unserer Zeit

2. Oktober 2012

herrfischer

Nur wenige Produkte haben den Status, dass eine neue Version in der Presse als Ereignis verkündet wird. Das iPhone ist so ein Fall. Ebenso der VW-Golf. Und – wenn auch in sehr viel kleinerem Rahmen – neuerdings der 3D-Drucker MakerBot (Bild). Soeben ist dessen Version 2 erschienen. Zumindest Zeit Online war das eine prominente Meldung auf der Frontseite wert.

Kaum ein Geräte beflügelt derzeit die Zukunfts-Phantasien so sehr wie 3D-Drucker. Sie scheinen in der digitalen Welt das zu sein, was in der Esoterik die Glaskugeln sind. Man schaut in sie hinein und sieht sie kleine Gegenstände drucken, nicht grösser als das Inventar eines Puppenhauses. Aber wer weiss, denkt man sich: Vielleicht kommen aus diesen Geräten bald Kaffeetassen, Zahnbürsten und Giesskannen und jeder hat eine solche Maschine zu Hause stehen.

Chris Anderson von WIRED meint, dass wir mit dem MakerBot 2 dieser Zukunft einen grossen Schritt näher gekommen sind. „This is MakerBot’s Macintosh moment. Just as nearly 30 years ago Apple made desktop publishing mainstream, the aim with the Replicator 2 is to take something new to the masses: desktop manufacturing“, schreibt er. Patrick Beuth weist in seinem Artikel auf Zeit Online allerdings zu recht und sehr anschaulich darauf hin, dass die praktischen Anwendung noch so eine Sache ist und das Drucken zum Heimgebrauch wohl noch eine Weile auf sich warten lassen wird.

Nichtsdestotrotz, die Drucker faszinieren. Und das nicht nur, weil es lustig ist, ihnen bei der Arbeit zuzuschauen.

Sie haben die Zutaten eines guten Zukunftsromans. Ein bisschen Utopie: Der Glaube, dass man mit diesen Maschinen den Industriekapitalismus überwinden kann. Ein bisschen Dystopie: Etwa wenn jemand verspricht, eine Pistole zu entwickeln, die jeder selbst und ohne Waffenschein drucken kann. Eine soziale Bewegung hinter sich: Der Drucker gilt als das Gerät der so genannten Maker, einer Subkultur von Maschinenbauern.* Und am wichtigsten: Man kann an 3D-Druckern eine laufende Debatte – in diesem Fall die Frage des Urheberrechts – ins Unendliche extrapolieren, im Stil von: Die Diskussion um das Urheberrecht an Musik, Filmen und Texten ist nur der Anfang, bald müssen wir über die Frage diskutieren, ob man die Zahnbürste von Dr. Best mit Schwingkopf zum Heimgebrauch kopieren darf. Wie ein guter Zukunftsroman (und wie eine ebensogute Glaskugel) erzählen 3D-Drucker vor allem von der Gegenwart und sind deshalb ein grosses Vergnügen.

* Wobei da ein Missverständnis vorliegt. In einem Artikel, den ich kürzlich über die Maker-Bewegung geschrieben habe, betont Roman Boutellier von der ETH Zürich, dass es nicht so sehr die 3D-Drucker sind, die die Maker-Bewegung antreiben. Entscheidend sei vielmehr, dass Maschinen-Teile in den letzten zwanzig Jahren extrem viel kleiner und damit billiger geworden sind.

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