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Friday-Kolumne: Zu Gast bei Freunden

14. Februar 2014

herrfischer

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Für das Wochenendmagazin «Friday» von «20 Minuten» schreibe ich eine Kolumne – diesmal über das Schweizersein in Deutschland: 

Seit bald zehn Jahren lebe ich als Schweizer in Berlin. Und warte ständig darauf, dass mir meine deutschen Freunde, Kollegen oder Nachbarn sagen: «So wie viele deiner Landsleute unseren Landsleuten gegenüber eingestellt sind, wollen wir auch nicht mehr freundlich zu dir sein.» Nach dem Abstimmungsergebnis am Sonntag bin ich umso erstaunter, dass meine Befürchtungen bis jetzt nicht eingetroffen sind.

Ich war einer von denen, die für ihre Lebensziele eine Landesgrenze überschreiten mussten. Ich habe Familie und Freunde zurückgelassen, den Bodensee und die Berge. Ich war nicht anders als der Deutsche, der in die Schweiz geht. Oder der Somalier, der nach Deutschland will. Wir wollen etwas erreichen. Wir riskieren zu verlieren. Der Somalier vielleicht sogar sein Leben.

Als Ausländer habe ich mich in Deutschland trotzdem wie ein Arsch benommen. Ich hatte diese Haltung, alles mit der Schweiz zu vergleichen und lauthals meine Schlüsse daraus zu ziehen. Einmal sagte ich allen Ernstes: «Wir Schweizer sind einfach besser: fleissiger, gebildeter und so erfolgreich, weil wir so bescheiden sind.» Man hätte mir Badi-Verbot erteilen sollen für meine Dummheit. Doch komischer- weise blieben alle meine deutschen Freunde immer freundlich. Nie erlebte ich ein Ressentiment. Nie.

Danke dafür, Deutschland. Danke, dass ich ein Arsch sein konnte. Und danke, dass ihr mich nie in Sippenhaft genommen habt für die Meinungen meiner Landsleute. Nicht einmal dann, wenn ich sie teilte. Das hat meine Meinung über euch geändert.

  1. Klaus Geiger #
    Februar 14, 2014

    Lieber Tin Fischer,
    ich kann Gott sei Dank als Tütscher in ZH mit C-Bewilligung und fast 11-jähriger Arbeits-, Wohn-, Sport & Freizeiterfahrung Entwarnung geben an meine Hinterbliebenen und Freunde in der Heimat (Trier an der Mosel) & D allgemein. Es ist wie NZZ – Chefredakteur Markus Spillmann mit Bedacht beschwichtigte: „Nicht alle Schweizer haben so abgestimmt!“ Bitte immer im Hinterkopf behalten, denn ich hätte, hätte ich ein Forum wie Sie hier in der Schweiz in Deutschland zur Verfügung, exakt den identischen Text wie Ihren im Friday heute hier, gerne in einem weit verbreiteten Deutschen Blatt den besorgten Lesern zum Besten geben wollen, ob der aktuellen Brandstifterei in beiden Richtungen. Und wenn Sie einen Weg dorthin kennen, lassen Sie Ihren Text unter meinem Namen in einem deutschen Presse-Organ veröffentlichen. So schlagen Sie 2 Fliegen mit einer Klappe. Ich beneide sie schon jetzt nicht um den shitstorm, der hier aus CH über Sie hereinbrechen wird;-) Liebe Grüsse aus Ihrer fremdenfreundlichen und meiner neuen Heimat. Klaus Geiger

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